Im Frühjahr 2012 geht es endlich los. Der Verein LebensAlter steht kurz vor dem Ziel.
Nach 17 langen Jahren wird die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens nun Wirklichkeit.
Warum jetzt der Blick zurück? Warum jetzt eine Chronik? Und warum diese Chronik hier auf der homepage des LebensAlter e.V.?
Weil wir stolz auf unseren langen Atem sind! Weil wir uns riesig darüber freuen, dass es sich gelohnt hat, dicke Bretter zu bohren.
Und diese Erfahrung wollen wir gern an andere weitergeben: es muss ja nicht bei allen so lange dauern. Aber lasst Euch auch durch Rückschläge und Enttäuschungen nicht beirren.
Schaut Euch an, wie es bei uns gelaufen ist, lasst Euch durch unser Beispiel ermutigen!


1994-1996: Die Anfänge
Im Freundeskreis tauschen wir Erfahrungen aus, erzählen von unseren Eltern und Großeltern. Einige davon leben in Altersheimen, nach dem Tod ihres Partners oder ihrer Partnerin allein, oft einsam. Alles wird mit zunehmendem Alter ein bisschen schwieriger.
So wollen wir nicht alt werden! Gleichzeitig fehlt einigen von uns der Zusammenhalt der Herkunftsfamilie. Aus beruflichen Gründen leben wir weit entfernt von unserem Heimatort
entfernt. Unsere Kinder wachsen ohne regelmäßigen Kontakt zu Großeltern, Onkeln oder Tanten auf. Schade! Aus unseren wilden Studentenjahren haben wir alle WG-Erfahrungen. Warum nicht so etwas wieder herstellen?! Diesmal ein paar Jahre älter. Und diesmal zusammen mit Alten und Jungen!

Nudelhaus


Wir informieren uns über damals schon bestehende Projekte des Gemeinschaftlichen Wohnens, freunden uns an mit Wilhelm Haller(1935-2004), dem charismatischen Unternehmer-Aussteiger, Buchautor („Die heilsame Alternative“ u.a.) und Gründer des LEBENSHAUS TROSSINGEN und lassen uns von ihm begeistern, an unsere Idee zu glauben.

Margret und Willi Haller

Wir gründen einen e.V., nehmen erste Kontakte zu Wohnungsbaugesellschaften im Rhein-Main-Gebiet, zur Nassauischen Heimstätte und zur Gesellschaft für innovatives Planen und Bauen (GIP). Außerdem beginnen wir uns zu vernetzen und treten dem bundesweiten Forum für gemeinschaftliches Wohnen im Alter e.V. bei.

1997-1999: Schwierige Partnersuche
Wir sind ziemlich fleißig, erarbeiten ein Konzept, wenden uns an die Presse, laden zu öffentlichen Veranstaltungen ein. Wir werben für unser Projekt. Aber so begeistert wie wir selbst sind viele andere nicht. Vor allem bei unseren Kommunalpolitikern stoßen wir auf Skepsis. Öffentliche Gelder stehen für ein solches Projekt sowieso nicht zur Verfügung. Und selber sind wir nicht finanzkräftig genug, um einfach was Eigenes auf die Beine zu stellen. Trotzdem wird uns in unserer Heimatkommune ein Baugrundstück in Aussicht gestellt. Und die GIP erarbeitet sogar erste attraktive Pläne für die Bebauung.
Das Ganze verläuft im Sande, weil sich Möglichkeiten der Finanzierung nicht eröffnen.
Trotzdem machen wir weiter, sprechen andere Kommunen im Umkreis von 30 Kilometern an, beteiligen uns am Runden Tisch „Neue Wohnformen“, veranstalten Fortbildungsseminare zum Thema Alter, besuchen Wohnprojekte, die sich in der Planung befinden.

2000-2004: Neuer Auftrieb
Wiederholt suchen wir den Rat unseres Freundes Wilhelm Haller. Der versteht etwas von Projektmanagement  und ist gut informiert über Finanzierungsmodelle für neue Wohnformen. Wir scheuen uns aber, etwa eine eigene Genossenschaft zu gründen, wie es die meisten anderen Wohnprojekte tun.
Trotz der Ermutigung durch Willy Haller steigen Mitstreiter aus. Aber es kommen auch neue dazu – und damit neue Ideen und neuer Schwung, den wir wiederum auch Seminar  umsetzen in Seminaren, die wir anbieten z.B. zum Thema „Bedeutung sozialer Netzwerke im Alter. Wie schon in den Jahren zuvor treffen sich die Mitglieder des LebensAlter e.V. monatlich einmal im Plenum und zusätzlich in Arbeitsgruppen. Außerdem gibt es einmal im Jahr ein Klausur-Wochenende, auf dem gearbeitet, aber auch gefeiert und viel gelacht wird.

2005-2009: Partner gefunden
Die Gemeinnützige Baugenossenschaft Mainspitze eG ist an unserem Projekt interessiert. Wir präsentieren es im Jahr 2005 erstmals in einer öffentlichen Veranstaltung in Ginsheim. Gleichzeitig halten wir Kontakte zu anderen geplanten oder bereits verwirklichten Wohnprojekten, z.B. in Darmstadt-Kranichstein. Der Dipl-Ingenieur Martin Eckelt begleitet unser Projekt im Rahmen seiner Masterarbeit zum Thema „Gemeinschaftsorientiertes Mehrgenerationenwohnen.“ Studenten der Fachhochschule Mainz erstellen Entwürfe und Modelle, die wir in Ginsheim vorstellen. Hier erweisen sich die Rahmenbedingungen für die Verwirklichung des Projekts als
ausgezeichnet. Es ist aber zunächst lange Zeit unklar, welcher Standort innerhalb Ginsheims letztlich in Frage kommt und wann mit entsprechenden Entscheidungen zu rechnen ist. Wir sondieren deshalb zunächst parallel weiterhin in anderen Kommunen wie z.B. Hochheim, Bischofsheim oder Rüsselsheim. Intern definieren wir unseren Raumbedarf und die Anforderungen an das zukünftige Raumprogramm.

2010-2011: Zwischen Euphorie und Enttäuschung
Der Bauplatz wird endgültig bestimmt. Wir entscheiden uns endgültig für Ginsheim. Erste Planungsüberlegungen der Architektin Nina von Neumann liegen vor. Alle bisherigen Mitglieder der zukünftigen Wohngruppe sind jetzt auch Mitglieder der Baugenossenschaft.
Die vertraglichen Rahmenbedingungen für die Vermietung der Wohnungen in geplanten Neubauten bleiben lange unklar. Es wird über ein Mieterdarlehen, über das Recht der Wohnungsvergabe und viele andere Details verhandelt, ohne dass diese Verhandlungen zunächst zu konkreten Vereinbarungen führen. Im Jahr 2011 stagnieren die Gespräche aufgrund kommunikativer Schwierigkeiten. Die Stagnation führt dazu, dass wir unser Projekt fast schon für gescheitert halten. Erst Ende 2011 kommen die Verhandlungen wieder in Bewegung. Und auf einmal geht alles ziemlich schnell!
Bauplatz
2012:
Am 26. Januar unterzeichnen Baugenossenschaft und Verein einen Kooperationsvertrag. Wenige Tage später findet eine Pressekonferenz statt, in der das Vorhaben der Öffentlichkeit vorgestellt wird. In breit angelegter Öffentlichkeitsarbeit beginnt der Verein, weitere MitbewohnerInnen zu suchen. Nächster Schritt ist die  vertragliche Regelung des Mieterdarlehens. Für Mitte März 2012 ist der Baubeginn geplant. Jetzt geht’s los!  Der
Verein LebensAlter steht kurz vor dem Ziel. Nach 17 langen Jahren wird die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens nun Wirklichkeit. Der lange Atem hat sich gelohnt!

Aber: wer gedacht hatte, nun befinde sich das Projekt in ruhigem Fahrwasser, hat sich gründlich getäuscht.

Im Frühsommer entscheidet sich die Baugenossenschaft plötzlich, auf das Mieterdarlehen zu verzichten. Das ist den meisten von uns recht, auch wenn dadurch nun die Quadratmetermiete auf 8,00 € klettert. Der gerade  geschlossene Kooperationsvertrag ist in einem wesentlichen Punkt Makulatur: der Verein büßt das Belegungsrecht für freiwerdenden Wohnraum ein. Die Baugenossenschaft gesteht uns Vorschlags- und Mitsprachemöglichkeit ein. Aber ein Belegungs r e c h t sieht anders aus. Wieder werden Zweifel wach: Hat die Baugenossenschaft überhaupt verstanden, worum es beim Gemeinschaftlichen Wohnen geht?  

 Wir arrangieren uns – wieder mal!  Die Gruppe wächst. Neue Mitbewohnerinnen und Mitbewohner kommen dazu; aber einige springen auch wieder ab. Im Oktober ist der Rohbau fertiggestellt. Danach geht es zügig weiter. Der 1. Juli 2013 scheint als Einzugstermin möglich zu sein. Mühsam verhandeln wir kleinere individuelle Wünsche für Zuschnitt und Ausstattung unserer Wohnungen. 

 Im November arbeiten wir während unserer Klausur im Burckhardthaus/Gelnhausen an unserer Gemeinschaftsordnung und an der Aufarbeitung von Konflikten, die innerhalb unserer Gruppe entstanden sind.

Arbeitsgruppe in Gelnhausen

Essenstafel in Gelnhausen

Kleingruppengespräche mit Interessierten werden uns in den nächsten Wochen beschäftigen. Nach wie vor macht unser Projekt viel Arbeit. Termine, Termine, Termine … Aber: immer noch können wir wunderbar miteinander feiern.

Jetzt planen wir unser gemeinsames Weihnachtsessen.

 

Februar 2013:
Die Bauarbeiten an der Schillerstraße 2+4 gehen zügig voran. Der 1. Juli 2013 wird als Einzugstermin fest vereinbart. Es geht jetzt um Einzelheiten: welche individuellen Wünsche für die Ausgestaltung einzelner Wohnungen können noch  berücksichtigt werden? Gleichzeitig geht die Suche nach neuen MitbewohnerInnen weiter. Wieder führen wir viele Gespräche mit Interessenten. Einige, die wir uns gut als MitbewohnerInnen hätten vorstellen können, sagen von sich aus ab. Endlich, am 21. Februar 2013 sind wir komplett. Wir können die letzten beiden Wohnungen vergeben. Jetzt richtet sich unsere ganze Energie auf  die Tage des Einzugs. Unsere Logistikgruppe versucht, den Einzug von 19 Parteien ins Wohnprojekt zu koordinieren. Im März 2013 wird die Jahreshauptversammlung des LebensAlter e.V. stattfinden. Darin wird es wesentlich um die Frage gehen, wie zukünftig die Aufgaben und Ziele des Vereins unabhängig von der Wohngruppe Schillerstraße 2+4 definiert werden.

 

Der Einzugstermin 1. Juli 2013 wurde eingehalten. Am 26. und 27. Juni übergab die Baugenossenschaft die bezugsfertigen Wohnungen an uns. Sofort begannen wir, die Wohnungen für den Umzug vorzubereiten: neu erworbene Küchen wurden eingebaut, einige Wände in verschiedenen Wohnungen farbig angelegt, weitere Möbel geliefert.

Schon am 27.6. zog die erste Mietpartei ein. Danach ging es Schlag auf Schlag, und an einigen Tagen waren die Schiller-, Goethe- und Mainzer Straße durch die LKW der Umzugsunternehmen und Möbellieferanten total verstopft. Gleichzeitig waren Handwerker mit letzten Arbeiten in den beiden Häusern beschäftigt, und um die Häuser baggern, planieren und gestalten Landschaftsgärtner seitdem die zukünftigen Außenanlagen. Es herrscht unglaublich viel Betrieb. Das hinderte die bereits Eingezogenen nicht, schon am Samstagabend eine Spontanparty auf der Terrasse vor dem Gemeinschaftsraum zu organisieren. Alle brachten etwas zum Essen und Trinken mit. Es war ein wunderschöner Abend mitten im Umzugstrubel. Am 10. Juli treffen wir uns zum ersten Mal als Hausgemeinschaft in unserem Gemeinschaftsraum.

Jetzt geht’s los mit dem Gemeinschaftlichen Wohnen!